Eine Geschichte

Mittwoch, 30.01.2019

Hallo liebe Blogleser,

Ab heute werde ich diesem Blog eine besonderes Update hinzufügen, aber dazu gleich mehr.

Beginnen wir mit den üblichen Informationen über mein Befinden und, was so passiert ist.

Meine Schlafprobleme spitzen sich leider zu. Ich gehe gegen 12- halb eins schlafen und liege dann meist bis ca 3 oder 3.30 Uhr wach im Bett und grübel. Um 9 Uhr morgens werde ich dann zuverlässig wach. Ich bin hundemüde, das kann ich euch sagen. Also hier wie immer...

Lernen geht eher schleppend voran. Mein Kopf macht ständig blau, meine Augen ständig Pause. In der Unibibliothek ist jeden Tag Sauna und schlechte Luft angesagt. 

Einzig das Wetter spielt mit. Es sind frühlinghafte Temperaturen zwischen 9 und 12°C...manchmal scheint sogar die Sonne. 

Eine Sache möchte ich jedoch positiv hervorheben: Ich habe endlich jemanden kennen gelernt,  der älter ist als ich!!! Ja, sowas gibt es ? Grüße gehen raus an P.??‍♀️

Gestern abend konnte ich endlich mein Verlangen nach Tintenfisch stillen, welches durch das Schauen von ASMR-videos ausgelöst wurde. Gott, ich möchte auch so frisches Sushi essen ????

Ich warte immer noch sehnsüchtig auf ein Paket aus der Heimat. DHL sagt, es soll heute zugestellt werden. Daher bleibe ich in der Wohnung bis es da ist. Später gehe ich evtl dann nochmal in die Bib?

Und nun - The great Reveal:

Wie ja einige von euch mitbekommen haben bin  ich in der WG dauerhaft unter Stress. Ich werde meine Erlebnisse ab sofort in autobiografischen Kurzgeschichten verarbeiten, wie es die künstlerische Freiheit gebietet. Es geht los...

Ich habe die Schnauze endgültig voll von Mandys Prinzessinnengehabe. 

Jemand, der absolut null bereit ist, sich an ausgemachte Regeln zu halten, sich am Haushalt zu beteiligen und mich lieber glauben lässt, ich hätte Wahnvorstellungen als zuzugeben, dass ihr Verhalten womöglich nicht ganz korrekt war, ist in meinen Augen ein mieserabler Mitbewohner, aber in erster Linie ein mieserabler Mensch. 

Seit Monaten schon darf ich mir Woche für Woche anhören, was nun schon wieder nicht stimmt. Wenn ich daran denke, beginnt mein linkes Auge, unkontrolliert zu zucken und ein hoher Piepton durchbohrt mein linkes Ohr.

Es ist der alltägliche WG-Stress, der mich an die Grenzen meiner Geduld, vor allem aber an die Grenzen des Erträglichen bringt.

Wenn ich an meine Mitbewohnerin denke, beginnt mein Herz, zu rasen und mir bricht der Schweiß aus. Ich bin nicht verliebt. Ich habe Angst.

Wie ein verschrecktes Reh reagiere ich auf jedes Geräusch und jede Bewegung in der Wohnung. Ich erstarre und lausche, bewege mich nicht.

Wenn ich höre, dass sie sich durch die Wohnung bewegt, tue ich oft so als wäre ich nicht da, damit sie nicht klopft und mir wieder irgendetwas sinnloses diktiert, um mich zu ärgern.

Ich überlege, ob ich nicht dafür bezahlt werden müsste, dass ich wie eine illegale Haushälterin behandelt werde. 

Ich lebe seit vier Jahren in WGs mit bis zu 3 anderen Personen. Ich hatte vor ihr 10 Mitbewohner über die Jahre  von denen nur eine schwierig war. Aber ein solches Verhalten wie von Mandy habe ich noch nicht erlebt.

Permanent meckern und Ansprüche stellen und selbst NICHTS! aber auch GAR NICHTS leisten wollen. Ich fühle mich wie eine alleinerziehende Mutter eines verzogenen Millennials. Oder eines streunenden Hundes... Einfach nur geil!

Habt ihr schonmal erlebt, dass jemand in vier Monaten nur zweimal saugt und einmal wischt, trotz wöchentlichem Putzplan und Arbeitsteilung, an die ihr euch JEDE WOCHE gehalten habt, und dann nach vier Monaten kackendreist verkündet, dass sie sich offiziell nicht mehr daran halten wird, weil sie findet, IHR würdet nicht gründlich genug putzen in den kleinsten Ecken? Nein?

Ich schon! Ab jetzt würde Mandy nur noch putzen, wenn sie etwas stört. Also nie!

Ab sofort putze ich nun aber auch nicht mehr. Und ich werde sicherlich auch nicht ihren Dreck in der Küche noch einmal weg machen, denke ich mir. Ich weiß schon jetzt, dass ich das nicht durchhalten werde.

Neulich bin ich duschen gegangen als Mandy nicht zuhause war. Unsere Dusche ist quasi das ganze Badezimmer, weswegen ich meine Klamotten lieber draußen vor der Tür liegen lasse, sortiert in Wäsche zum Waschen und zum weiteren Gebrauch. Dabei ist wohl ein Hosenbein über den Flur gefallen. EIN HOSENBEIN!!! Nichtmal einen halben Schritt breit. Da kommt sie plötzlich unerwartet nach hause, klopft mich aus der Dusche und sagt mir durch die Tür, ich solle in Zukunft meine Klamotten weiter an die Wand schieben, weil sie nicht einsieht, über meine Klamotten zu steigen. EIN HOSENBEIN!!!

Aber als ich sie bitte, ihre Badelatschen nicht immer im Bad rumliegen zu lassen, bekomme ich als Antwort, das seien schließlich Badelatschen fürs Bad. Die liegen trotzdem immer im Weg. Meine Badelatschen liegen in meinem Zimmer. 

Ihr dreckiges Geschirr liegt jetzt auch schon wieder seit 'ner Woche in der Spüle. Ihren Kram vom Abtropfgitter habe ich seit ich wieder hier bin erst noch wegsortiert. Seit ein paar Tagen sehe ich das nicht mehr ein. Ich brauche auch Platz für meinen Abwasch. Ihre Sachen stehen nun auf dem Küchentisch. Auf dem Boden liegen ihre Abfälle. Die lagen da auch schon als sie verkündete, sie würde jetzt nur noch putzen, wenn sie was stört. Ihren Pizzakarton von vor vier Tagen hat sie auch noch nicht entsorgt und die Arbeitsfläche in der Küche ist zugeschissen mit ihren Tüten und dreckigem Geschirr. Mit MEINEM einzigen Teller, den sie da einfach dreckig stehen lässt, wohlgemerkt.

Im Augenblick ist die Küche noch in einem "guten" Zustand sowie der Rest der Wohnung, weil ich gerade erst geputzt hatte. Aber ich weiß, was mich erwartet. Und es graut mir schon jetzt davor.

Meine Vernunft sagt mir, es sind doch nur Kleinigkeiten. Kannst du nicht einfach in einem Kontaminationsanzug durch die Wohnung schweben und darüber hinwegsehen?

Mein Gerechtigkeitsempfinden schreit aber lauter. Du hast es jetzt schon vier Monate ertragen. Du hast dir die sinnlosen und die sinnvollen Regeln von ihr aufdrücken lassen und auch selbst welche aufgestellt. Ihr habt beide zugestimmt, aber an viele Regeln hast nur du dich gehalten. Und trotzdem wird dir immer noch mehr vorgeworfen. Das ist ungerecht. Du willst es so nicht mehr! Wehre dich!

Ich wehre mich nicht. Zumindest nicht so wie man es erwarten würde. In meinem Kopf höre ich eine Stimme aus dem Off, die alles kommentiert, was ich sehe. Wie ein allwissender Erzähler in Filmen oder Büchern. Nur, dass ich nicht allwissend bin.

Mir ist das sehr bewusst. Ich überlege häufig, ob sie einen Grund hat, so eklig zu mir zu sein. Ob ich irgendwas gemacht habe, was bei ihr den Reflex auslöst, mich um seltsame und sinnlose Dinge zu bitten wie neulich als ich duschen war. Mir fällt nichts ein. Ich bin frustriert. Ich bin immer daran interessiert Frieden zu haben. Aber aus irgendeinem Grund wird es mir in dieser WG unmöglich gemacht. Ist es eine göttliche Prüfung? Ist es die versteckte Kamera oder verstehen Sie Spaß? Ich habe mich selten so oft geärgert. Es nervt mich. Ich will das so nicht mehr. 

Seit ihrem offiziellen Ausstieg aus dem WG-cleaning Abkommen habe ich nicht mehr darum gebeten, dass sie sich am Haushalt beteiligt. Kann ich ja auch nicht. Ich gehe ihr aus dem Weg. Die Befürchtung, dass es zu einem völlig bescheuerten Streit kommt ist allgegenwärtig. Der Ärger über ihre Rücksichtslosigkeit aber auch. Ich erinnere mich an letzten Dienstag, an den Abend vor der Physikprüfung. 

Ich bin um zehn schlafen gegangen, damit ich am morgen fit bin. In unseren WG-Regeln haben wir auf Mandys Wunsch hin festgelegt, dass ab neun Uhr Ruhe ist und ich auch nur bis 21 Uhr duschen darf. Außerdem haben wir besprochen, dass auf dem Flur, von dem unsere Schlafzimmer abgehen, nicht mehr telefoniert wird, weil Mandy zu den Menschen gehört, die ins Telefon schreien. Ich höre sie auch noch durch zwei geschlossene Türen hindurch. Auch Videos auf dem Flur sind nicht erwünscht. Wenn möglich, lassen wir das Licht in den Wohnräumen aus, da wir beide verglaste Balkone haben und sehr durchlässige Vorhänge. Auf dem Flur das Licht benutzen wir abends gar nicht mehr, weil unsere Zimmer Glastüren haben. 

Am Abend vor der Physikprüfung ging ich also zeitig ins Bett in dem Wissen, dass wir diese Regeln haben, dass Mandy erwachsen ist und Rücksicht nehmen wird, wenn sie nach Hause kommt und sieht, dass bei mir Licht aus ist.

Es war in etwa zehn Uhr dreißig. Mandy kam von der Bib nach Hause, indem sie halb durch die Tür brach. Sie war wieder einmal brüllend am Telefonieren, schmiss ihren Rucksack in die Ecke, lief durch die Wohnung in die Küche und machte unterwegs Stadionbeleuchtung an, während sie weiter ins Telefon brüllte. Sie knallte mit der Wohnzimmertür und anschließend mit den Küchenschranktüren. Ich saß also wieder wach im Bett, machte mein Licht an und war einfach ungläubig darüber, wie rücksichtslos jemand sein kann. Ich ging aber nicht raus und sagte auch nichts, weil ich schlafen musste und mich nicht streiten wollte. Nach ca 15 Minuten kehrte Ruhe ein, das Licht ging aus. Ich konnte aber nicht mehr einschlafen bis um 4 Uhr morgens. 

Gegen viertel vor sieben Uhr morgens begann Mandy wieder, ins Telefon zu brüllen und ging dabei über den Flur. Ich wurde wach. Dämmerte aber nochmal weg. 

Entgegen unserer Sicherheitsverabredung, uns vor der Klausur um 7.30 Uhr gegenseitig zu wecken, stand Mandy um 7.20 Uhr in meinem Zimmer und weckte mich. Ich blieb ruhig. Sagte nichts. Es bringt nichts vor der Klausur noch Streit anzufangen, dachte ich bei mir.

Am Abend erzählte ich ihr von meinem plötzlichen Erwachen und Wachliegen in der Nacht zuvor und bat sie, sich wieder mehr auf die Regeln zu besinnen und etwas drauf zu achten. Sie tat so als wäre nichts davon passiert. Sie hätte nicht telefoniert, sie hätte kein Licht angemacht und auch keine Türen zugeschlagen etc. Sie sagte "Ich würde dich doch wegen sowas nicht anlügen. Ich kann dir meinen Anrufverlauf zeigen."

Ich wusste ja, dass ich nicht verrückt bin. Ich saß wütend im Bett und habe überlegt raus zu gehen. Ich spielte ihr Spielchen mit. "Oh Mann, das ist wirklich seltsam. Ich hätte schwören können, ich war wach. Ich habe mich hingesetzt und das Licht angemacht. Zeig mir bitte mal deine Anruferliste." Sie ging rüber in ihr Zimmer holte ihre Handys und rief dabei immer wieder "Moment....Moment..." Sie ließ sich Zeit. Ich überprüfte währenddessen, ob man Anrufe aus der Anruferliste löschen kann. Bingo. Sie kam zurück und zeigte mir ihre Handys. "Siehst du. Nichts gestern Abend. Erst heute morgen wieder." Ich blieb ruhig und spielte mit. Ich habe sie beim Lügen ertappt und sie wog sich in Sicherheit mit ihrem genialen Löschvorgang. Ich sagte "Oh Mann... ich glaube, ich werde langsam verrückt..."

Dann kam die Stromrechnung. Wir haben keine Heizung in der Wohnung. Daher heizen wir mit Klimaanlagen. Wenn überhaupt. Unser Warmwasser wird von einem großen Boiler aufgeheizt. Wir zahlen also nur Strom und Wasser.

Mandy kam rüber und sagte, sie wird nicht mehr als 60 Leva im Monat für Strom zahlen in Zukunft, das könne sie sich nicht leisten. Wenn dann der Strom abgestellt werden würde, wäre ihr das egal. Sie bräuchte keinen Strom. Außerdem würde ich ja viel mehr Strom verbrauchen, weil ich mehr von zuhause aus lerne und sie nie da ist.

Sie duscht aber auch hier, sie benutzt genau wie ich den Kühlschrank und ich heize den ganzen Tag nicht, weil mir nicht kalt ist. Sie hingegen lag im November häufig im Bett und hat ihr Zimmer auf 30°C aufgeheizt. Manchmal sogar, wenn sie nicht zuhause war, mit der Begründung, ihre Klimaanlage würde so lange brauchen, um warm zu werden.

Nebenher plante sie einen Kurzurlaub mit ihrer Kirchengruppe und die Unirundreise durch Europa hat sie auch schon angezahlt. Ich wies sie darauf hin, dass vor den Vergnügungsausgaben die Pflichtausgaben kämen. Ihre Antwort darauf war, ich wäre nicht in der Position, ihr sowas zu sagen, schließlich sind wir keine Freunde.

Das hat zwar null was mit Freundschaft zu tun, aber gut. Ich nahm es so hin.

Dann sagte sie, ich hätte das Licht im Flur nachts mehrfach benutzt und sie wäre davon aufgewacht. Das war allerdings nicht wahr.

Wer mich kennt, weiß, ich mache seltenst das Licht an. Und wer mit mir zusammengewohnt hat, weiß, dass ich das Licht im Bad benutze, aber nicht im Flur. Und so mache ich es immer noch. Das Licht aus dem Bad scheint dann halt für einen Moment auf den Flur und reflektiert an der Wand. Ja sorry, denke ich mir, aber ich werde jetzt bestimmt nicht im Dunkeln pinkeln, nur weil du einen leichten Schlaf hast. Sie ließ sich nicht überzeugen. Ihrer Meinung nach benutze ich das Licht im Flur und dann ist das auch so. 

Mir riss der Geduldsfaden und ich wies sie darauf hin, dass ich wusste, dass sie gelogen hat und dass man Anruferverläufe löschen kann. Sie bleibt stur und behauptet, ich würde spinnen. Bei Whatsapp schrieb sie mir, ich hätte "Wahnvorstellungen".

Ich kann es mir nicht erklären. Ihr Verhalten ist geradezu wundersam. Wieder versuche ich einen Fehler in meinem Verhalten zu finden. Aber was kann ich denn sonst noch tun, außer zu putzen, meinen Dreck in Küche und Bad zu beseitigen, ihren seltsamen Bitten nachzukommen und mich ruhig zu verhalten? Nichts. Erst Recht nicht, nachdem sie verkündet hat, nur noch das zu tun, worauf sie Lust hat. Wer Ansprüche stellen will, muss auch selbst etwas leisten...Ich bin hier nicht die Haushälterin, der Boxsack oder die Ersatzmama.

Ich bin nicht verrückt, ich habe keine Wahnvorstellungen und ich übertreibe auch nicht. Nein Vernunft, wirklich nicht. Ich will das so nicht mehr! Ich beginne, meine Gedanken zu tippen. Ich bin des ärgerns müde. Ich fühle mich hilflos. Meine Bitten und Wünsche prallen an Mandy ab als wären sie nicht existent. Es ist als würde ich mit einer Wand sprechen. Ich habe hier keine Stimme. Ich habe hier kein Vetorecht. Wenn ich meine ruhe will, muss ich tun, was sie sagt. Ein nein wird nicht akzeptiert, zumindest nicht ohne Bestrafung. Meine Wünsche werden nur unter Auflagen berücksichtigt. Ich will das so nicht mehr!! 

Ich tippe weiter. Ich will gehört werden. Ich möchte beschützt werden. Ich möchte, dass das Zucken am Auge aufhört, das Piepen in meinem Ohr und das Herzrasen bei jedem Schritt, den Mandy macht. Ich veröffentliche meinen Blog und fühle mich etwas sicherer. Hier habe ich eine Stimme. Jemand wird mich hören.

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Vielen Dank für Eure Unterstützung, vielen Dank fürs Lesen und Euch allen noch eine schöne Woche. (Hoffentlich ohne mobbende Mitbewohner)

Liebe Grüße,

Eure Anni.